„Jede:r bekommt den Hund, von dem sie noch etwas lernen kann!“
(alte Hundehalter:innen-Weisheit)

Ich war neugierig. Würde auch in diesem Punkt die Wissenschaft – hier in Person des Biologen und Verhaltensforschers Kurt Kotrschal – bestätigen, was Menschen, die ihr Leben mit Hunden teilen, längst intuitiv erfasst haben?

Im Plauderton – und dabei durchaus vergnüglich „von Hölzken auf Stöcksken“ kommend – nimmt der Autor uns mit auf eine Reise mit vielen ganz unterschiedlichen Aspekten: Die „Hund-Werdung“ des Wolfes darf selbstverständlich nicht fehlen, aber wie hat sich die Beziehung zwischen Mensch und Hund eigentlich seitdem (also in der Zeitspanne zwischen Lagerfeuer und Neuzeit) weiterentwickelt? Was genau wissen wir heute über das Zusammenleben mit unseren vierbeinigen Lebensgefährten und was verbleibt noch im Bereich der Ahnung? Und schließlich: Was sagt uns das über uns?

Warum Hunde uns zu besseren Menschen machen ist zugleich ein Rückblick auf viele Jahrzehnte wissenschaftlicher Arbeit: Kurt Kotrschal hat nicht nur über die Zuschreibung charakterlicher Eigenschaften von Tieren geforscht, sondern auch und vor allem über die Beziehung zwischen Mensch und Hund.

Tatsächlich habe ich beim Lesen mehr als einmal an Konrad Lorenz denken müssen: An So kam der Mensch auf den Hund, das 1950 erschienen und bis heute erhältlich ist. Nicht etwa, weil Kurt Kotrschal Lorenz‘ Nachfolge als Leiter der Forschungsstelle für Ethologie angetreten hat, was ich – Asche über mein Haupt! – vor der Lektüre noch gar nicht wusste, sondern weil mir andere Parallelen augenfällig schienen: Die wissenschaftliche Betrachtung einerseits, die Anekdoten aus dem Leben mit den eigenen Hunden andererseits … vor allem aber eine Attitüde, die sich nicht scheut, hin und wieder zu polemisieren, zu polarisieren und sich über political correctness auch einfach mal hinwegzusetzen.

Hundetrainer sind beide nicht, das sollte die geneigte Leser:in im Hinterkopf behalten. Während Lorenz jedoch nicht zögerte, seine Hunde gegebenenfalls zu verprügeln, plädiert Kotrschal für einen gewaltfreien Umgang, ohne jedoch ins Detail zu gehen, wie dieser aussehen könnte. So erläutert er zum Beispiel, dass Hunde Hierarchien schätzen, und beschreibt, wie sie diese untereinander gestalten. Dass er aber die Frage, ob und wie sich das nun auf das Zusammenleben von Mensch und Hund übertragen lässt, dann überspringt, kann … durchaus irritierend wirken.

Für wen eignet sich dieses Buch?

Warum Hunde uns zu besseren Menschen machen ist eine beeindruckende und unterhaltsame Sammlung von Erkenntnissen über das Zusammenleben von Hund und Mensch. Kurt Kotrschal erzählt nicht nur, er liefert Fakten – und geht damit weit über die anekdotische Evidenz eines Konrad Lorenz hinaus. Hundenerds werden allein am Quellenverzeichnis ihre helle Freude haben!

Im Gegensatz zu Literatur über Hundetraining – die ja durchaus als Kritik an den eigenen Fähigkeiten aufgefasst werden kann – eignet es sich wunderbar als Geschenk für Hundehalter:innen: Die wissen zwar längst, dass das Zusammenleben mit Hunden uns gut tut, freuen sich aber über „Beweismaterial“!

Wer Hundemenschen zu seinen Freund:innen zählt und sich schon immer gefragt hat, warum um alles in der Welt die so ticken … gelangt womöglich zu völlig neuen Einsichten. Und wer Angst vor Hunden hat, kann sich gestärkt und getröstet fühlen: „Die lebensgefährlichsten Tiere sind übrigens Stechmücken“.

Warum Hunde uns zu besseren Menschen machen, erklärt das Büchlein übrigens nicht. Vermutlich weil sie es können!


Info zum Buch*

Kurt Kotrschal

Warum Hunde uns zu besseren Menschen machen: Das neue Standardwerk für alle Hundeliebhaber:innen

Verlag: Piper
Mai 2026
Taschenbuch, 192 Seiten
ISBN-10: 3492322689
ISBN-13: 978-3492322683

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