… fordert, so viel sei vorab verraten, seinen Leser:innen eine Menge ab!
Mir jedenfalls ging das so: Hatte ich bis zur Lektüre geglaubt, meine Kenntnisse der Biologie und Psychologie (Fachvokabular inklusive) seien – obwohl ich etwas vollkommen anderes studiert habe – recht ansehnlich, bin ich heute eines Besseren belehrt. In jeder Hinsicht. Noch nie habe ich so viele Wörter nachschlagen müssen! Und tatsächlich habe ich eine Menge dazugelernt.

Aber mehr noch: Ich bin angefixt. Habe mir einige der zitierten Studien herausgesucht, weil ich das dann doch genauer wissen wollte, und mir weitere Autor:innen notiert, die ich gerne lesen möchte. Ich will noch viel mehr lernen! Mehr kann ein Buch nicht leisten, oder?

Worum geht’s?

Der Titel bezieht sich auf den berühmten Vergleich von Winston Churchill sowie ein Werk des Schriftstellers und Zeichners Matthew Johnstone „I had a black dog, his name was depression“ (ich hatte einen schwarzen Hund, sein Name war Depression).

Die Autorin Dr. Sandra Foltin, Psychologin und promovierte Biologin, geht in Black Dog der Frage nach, inwiefern Hunde Depressionen und andere psychische Erkrankungen entwickeln können, darunter Angst- und Zwangsstörungen, Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung sowie posttraumatische Belastungsstörung. Dass sie es können, erscheint naheliegend: Gehirnstruktur und -chemie unserer Hunde unterscheiden sich nur unwesentlich von unserer eigenen. Nur sprechen können sie nicht …

Dennoch lässt sich das DSM, das „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders“ (Diagnostischer und statistischer Leitfaden psychischer Störungen), welches von der Amerikanischen Psychiatrischen Gesellschaft (APA) herausgegeben wird, auf Hunde ebenso anwenden wie auf Menschen, und kann so der Einordnung von Beobachtungen dienen. Analog zur Diagnose beim Menschen können wir auf ein bestimmtes Krankheitsbild schließen aus

  • Ursachen: Herkunft, Lebensumstände, einzelne Geschehnisse
  • Symptomen: Verhalten, aber auch Biochemie sowie
  • Reaktion auf eventuelle Medikamente.

Vor allem aber – und das finde ich persönlich ganz besonders spannend – lernen wir eine Vielzahl von Ursachen und Voraussetzungen kennen, die auf eine Disposition für bestimmte psychische Erkrankungen schließen lassen: Genetik, Epigenetik, prä- und postnatale Einflüsse, Bindung, Trainingsmethoden …

Vieles davon hatte ich mir gedacht, ohne es aber bisher belegen zu können. Was mir in seiner kompletten Tragweite nicht klar war: Wie katastrophal sich Trennungsstress auf die psychische Gesundheit eines Hundes auswirkt!

Dr. Sandra Foltin: Black Dog*

Was lernen wir daraus?

Glücklicherweise malt der „schwarze Hund“ nicht nur schwarz, sondern gibt Hundehalter:innen auch Möglichkeiten an die Hand, ihren Hunden zu größerer Resilienz (psychischer Widerstandskraft) zu verhelfen. Mein erklärter Lieblingssatz:

„Machen Sie Ihren Hund zum Helden seines Alltags, indem er viele Dinge für sich lösen, gestalten und erarbeiten kann!“

Für wen eignet sich dieses Buch?

Für Trainer:innen ist Black Dog ein Must have! Für Hundenerds ebenso. Menschen, die Hunde züchten (möchten) oder die Anschaffung eines Rassehundes in Erwägung ziehen, sollten ruhig mal einen Blick hineinwerfen. Menschen, die nach dem Motto „adopt, don’t shop“ verfahren wollen, gerne auch!

Hundehalter:innen, die erfahren möchten, wie ihr „Erziehungsstil“ sich auf die Psyche ihres Hundes auswirkt: You’re welcome!
Und wer schon immer mal wissen wollte, was genau es eigentlich mit der berühmt-berüchtigten Bindung auf sich hat, wird ebenfalls fündig.

Nicht zu vergessen solche Hundehalter:innen, die sich schon einmal gefragt haben, ob ihr Hund womöglich Autist ist. Veterinäre gehen, so die Autorin, davon aus, dass jeder fünfte Hund an einer psychischen Erkrankung leidet. Als Hauptursache dafür wird der Mensch identifiziert.

Wer also die Verantwortung für das psychische Wohlergehen des eigenen Hundes übernehmen möchte: Lesen! Auch wenn es etwas anstrengend ist: Unsere Hunde sollten es uns wert sein!


Info zum Buch

Verlag: Kynos
August 2023
Gebundene Ausgabe, 168 Seiten
ISBN-10: 3954643111
ISBN-13: 978-3954643110

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