Schon nach wenigen Seiten dachte ich: „Das ist Martina Maier-Schmid, wie sie leibt und lebt!“

Wir kennen einander nämlich schon seit etlichen Jahren, die Autorin von Grenzen setzen 3.0 und ich. Lange vor mir hat sie begonnen, sich intensiv mit gewaltfreier Kommunikation zu beschäftigen, die für sie keine Gesprächstechnik, sondern – ganz im Sinne von Marshall B. Rosenberg – eine Haltung ist, die sie sich zu eigen gemacht hat. Und genau diese Haltung atmet aus jeder Zeile ihres Buches.

„Das ist so Martina!“

Ich fühle mich gesehen mit all meinen Unzulänglichkeiten, Zweifeln und Sorgen im Umgang mit meinem Hund. Und zwar wertungsfrei und mit äußerstem Wohlwollen. Und ich bin sicher: Hunde, könnten sie denn lesen, würden es ebenfalls zu schätzen wissen, mit all ihren Emotionen und Bedürfnissen gesehen zu werden.

Ebenfalls „sehr Martina“ ist die bedachtsame, gründliche Annäherung an das Thema. Im Zusammenhang mit unseren Hunden ist beim Stichwort „Grenze“ ja schnell an „dem musst du mal eine Grenze setzen!“ im Sinne von „unerwünschtes Verhalten abbrechen“ gedacht. Oft aber auch an ein präventives „du musst Grenzen setzen!“, bei dem der Mensch vermeintliche Privilegien für sich in Anspruch nehmen soll, um dem Hund zu verdeutlichen, dass dieser sich ihm unterzuordnen habe.

Grenzen setzen 3.0 dagegen dröselt erst einmal in aller Ruhe auf, welche Grenzen wir unseren Hunden schon setzen, ohne das überhaupt zu bemerken, um dann die berechtigte Frage zu stellen: Braucht es darüber hinaus wirklich noch Grenzen, die lediglich „aus Prinzip“ gesetzt werden? Könnte es nicht vielmehr so sein, dass jedes Mensch-Hund-Team individuell diejenigen Spielregeln festlegt, die nötig sind, um ohne Konflikte miteinander zu leben?

Aber … aber was ist mit unerwünschtem Verhalten?!

Grenzen setzen 3.0 ist ein ungeheuer beruhigendes Buch, weil es dazu einlädt, ganz individuell zu schauen, welche Spielregeln überhaupt benötigt werden, welche davon zuerst umgesetzt werden müssen (um zum Beispiel Gefahrensituationen auszuschließen) und wie das geschehen kann. Es erlöst Hundehalter:innen von Handlungszwängen. Unerwünschtes Verhalten darf durch Management verhindert werden! Bis strukturiertes Training greift und der Hund erwünschtes Verhalten zeigen kann, bis ein anderes, wichtigeres Problem behoben ist, und ja: Sogar für immer, wenn dies für Hund und Mensch praktisch und angenehm ist!

Wenn es darum geht, wie unerwünschtes Verhalten nun eigentlich „abtrainiert“ werden kann, ist ein Ausflug in die sogenannte Lerntheorie unabdingbar – das ist bei Martina Maier-Schmid nicht anders. Allerdings setzt sie den Fokus nicht allein auf das Verhalten, welches je nachdem häufiger oder seltener gezeigt wird, sondern auch auf die Emotionen, die das jeweilige Training bei Hund und Mensch auslöst. Und – und das finde ich ganz besonders spannend! – sie lenkt den Blick auf die Bedürfnisse, die all dem zugrunde liegen. Ihr Bild vom „gefüllten Bedürfnis-Magen“, der es Lebewesen ermöglicht, auch einmal auf die Erfüllung eines Bedürfnisses verzichten zu können, hat mich ungeheuer angesprochen!

Was die Beschreibung der verschiedenen Trainingsmöglichkeiten betrifft, ist „Grenzen setzen 3.0“ angenehm sachlich, unaufgeregt und vor allem frei von erhobenen Zeigefingern.Die Autorin listet lediglich auf, welche Optionen aus lerntheoretischer Sicht möglich sind, und beschreibt die Fehleranfälligkeit sowie mögliche Risiken.

Für wen eignet sich Grenzen setzen 3.0?

Hundehalter:innen, die sich Anleitungen im Sinne von „Wenn Ihr Hund dies tut, tun Sie das!“ erhoffen, werden mit einiger Sicherheit enttäuscht sein, das Buch aber womöglich umso mehr benötigen.

Martina Maier-Schmid liefert keine fixen Anleitungen, sondern Denkanstöße! Und zahlreiche Beispiele dafür, wie Training aussehen kann. Vor allem aber versetzt sie ihre Leser:innen in die Lage, eigenständig zu erkennen, wie Trainingstipps lerntheoretisch einzuordnen sind, welche Emotionen diese im Hund auslösen und welche Risiken und Nebenwirkungen damit einhergehen. Grenzen setzen 3.0 entlässt seine Leser:innen ohne Wenn und Aber in die Selbständigkeit. Vermutlich hatte ich genau deswegen ein solches Vergnügen daran.


Und ja: Must have!*

Dieser Text enthält mit (*) markierte Affiliate Links. Wenn du darauf clickst und über diesen Link einkaufst, bekommt die Feine Maus! von dem betreffenden Anbieter eine Provision. Für dich verändert sich der Preis durch dieses kleine „Dankeschön“ nicht!

Foto © Pexels–2286921, pixabay