Oder: Wie bekommst du das Verhalten, das du verstärken willst?

Um Verhalten verstärken zu können, muss der Hund es zuerst einmal zeigen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ein bestimmtes Verhalten beim Hund auszulösen:

  • Einfangen (Capturing)
  • Formen (Shaping)
  • Locken (Luring)

Einfangen

Einfangen ist die einfachste Möglichkeit. Erwische deinen Hund einfach auf frischer Tat. Fast alles, was du im Alltag mit deinem Hund brauchst, kann er bereits und tut es auch schon! Informiere deinen Hund mithilfe des Markersignals, dass er ein Verhalten zeigt, das du magst. So verstärkst du es und er wird es öfter zeigen.

Das Schöne am „Einfangen“ ist, dass du es immer und überall machen kannst. Du brauchst keine extra Übungszeit, sondern pickst dir zum Beispiel einfach auf dem Spaziergang die Verhalten des Hundes heraus, die du häufiger sehen möchtest.

Der Hund

  • schaut dich an → Marker → Belohnung
  • läuft auf dich zu → Marker → Belohnung
  • setzt sich hin → Marker → Belohnung
  • legt sich hin → Marker → Belohnung
  • schaut einen anderen Hund ruhig an → Marker → Belohnung
  • läuft in deinem Tempo neben dir → Marker → Belohnung

Du musst nicht einmal darauf achten, dass du auf einem Spaziergang nur „Sitz“ einfängst oder nur „neben mir laufen“. Nimm einfach, was du kriegen kannst. Je öfter du deinen Hund auf frischer Tat ertappst, desto öfter wird er eines der lohnenswerten Verhalten zeigen und beginnen, diese bewusst anzubieten.

Dann kannst du beginnen, Signale für diese Verhalten einzuführen oder präzisieren, in welchen Situationen du bestimmte Verhalten am liebsten hättest. Wie zum Beispiel „Stoppen, wenn du stehen bleibst“, „Sitzen, wenn du an der Ampel stehst“, „zu dir laufen, wenn ein:e Jogger:in/Radfahrer:in kommt“ und so weiter.

Formen

Nicht immer ist ein „eingefangenes“ Verhalten schon ganz genau so, wie du es brauchst. Dann kannst du es genauer „formen“ und an den Details arbeiten, wie zum Beispiel Dauer, Distanz, exakte Ausführung, Geschwindigkeit und so weiter. Die Möglichkeiten, Verhalten zu shapen, sind nahezu unbegrenzt.

Beim Shapen verwendest du Veränderungen im Timing, die bewusste Wahl des Belohnungsortes, die Auswahl der Verstärkerart, die jeweilige Ausgangssituation u.v.m., um das gewünschte Zielverhalten auszuformen.

Bei meinem ersten Pflegehund habe ich beispielsweise aus „Anspringen“ „Hinsetzen“ geformt, denn ich konnte bei ihm „Sitzen“ weder einfangen noch locken.

Locken

Beim Locken verwendest du ein Leckerchen oder Spielzeug, um ein Verhalten auszulösen. Zum Beispiel setzen sich viele Hunde hin, wenn du ein Leckerchen von ihrer Nase nach hinten über den Kopf in Richtung Rücken führst. Sie folgen dem Leckerchen mit der Nase und ab einer gewissen Kopfneigung ist es für sie einfacher, sich zu setzen. Das Leckerchen dient dann auch gleich als Belohnung für das Hinsetzen.

Beim Locken musst du darauf achten, nach 3-4 Wiederholungen das Leckerchen wegzulassen. Sonst lernt der Hund, dass das Leckerchen Bestandteil des Signals ist – und zeigt das Verhalten dann auch nur, wenn du das Leckerchen in der Hand hast.

Um die „Leckerchenfalle“ zu umgehen, kannst du statt des Leckerchens ein Target verwenden. Beim Training mit Targets kombinierst du die Vorteile des Shapens mit denen des Lockens.

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Foto © mheim3011, Getty images